"En julebryg er en særlig øl, som bryggerierne sender i handelen i tiden op til jul."
Lukas, Kapitel 2, Vers 7
Mich gibt es noch: Heureka! Ich besitze zwar nicht die Schädelbreite von Archimedes aber zur Phrenologie kommen wir später.
Viel gibt es zu berichten. Ich
gebe mal einen Abriss meiner letzten Tage:
Ich war ziemlich im Streß, da ich ein
Paper über den Mutiny 1857 in Indien schreiben musste. Tolle
Erfahrung mal sowas auf Englisch zu schreiben (mein erstes Mal), war mit meinem
Resultat nicht ganz zufrieden, aber es hat meinen Ehrgeiz geweckt. Um
Ehrlich zu sein freue ich mich schon Ende November mein zweites Paper
zu schreiben. Zurück zum Thema. Wie gesagt, ich habe viel geschrieben, am
Donnerstag mein Werk abgegeben und bin dann in ein typisches Erasmuswochende
gestartet.
Wie sieht so ein Wochenende aus? Ich
werde versuchen euch einmal hierher mitzunehmen.
Donnerstag (ja, das Wochenende startet hier schon Donnerstags)
Nun gut, Donnerstag Abend gab es ein
paar Häuser weiter eine Überraschungsparty für eine Freundin
inklusive Spaghetti Carbonara für alle ca 40 Gäste und
dazu Unmengen an verdammt guten Schoko-Kuchen mit flüßigen Schokokern. Super sach, grad für'd junge Leud.
Die Überraschung schlug bei dem Geburtstagskind ein wie eine Bombe. Wir hatten auch entsprechende Vorarbeit geleistet und ihr die ganze Zeit unterschwellig eingeredet, dass der Geburtstag doch gar nichts so wichtiges ist, und sie hier doch eh niemanden hat mit dem sie feiern könnte. Ohne auflösende Party wäre das arme Ding wohl noch an Minderwertigkeitskomplexen verendet.
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| SCHOKOKUCHEN. |
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| Geburtstagskind mit Freudentränen in den Augen (wahrscheinlich wegen des Schokokuchens) |
Danach ging es in die Australian Bar:
Der Ort aller Austauschstudenten. Eine tolle Bar/Disko, wenn auch nicht ganz ohne. Wieso? Beim ersten Mal muss man sich registrieren: Via Ausweis, Bild und
Fingerabdruck. Bei jedem weiterem Besuch muss man am Eingang nur seinen Finger
auf dieses Gerät legen (wie man es vom Flughafen kennt) und wird
dann anschließend vom Türsteher mit Namen begrüßt. Gruselig. Würde mich eigentlich
normalerweise niemals auf so etwas einlassen, aber: es kostet keinen
Eintritt und es gibt dort bis auf zwei Tage in der Woche zwischen 23
und 24 Uhr Freibier. Und das wirklich soviel man will aber vor allem
trinken kann. Mal ganz Ehrlich, da vergisst man schon einmal gerne seine Ideale. Es
handelt sich hier um dänisches Royal Bier, unliebevoll aus Pitchern
ausgeschenkt. Man sollte sich gar nicht erst die Hoffnung eines
prickelnden Biererlebnisses machen, man würde nur maßlos enttäuscht
werden. Das Beste an diesem Bier ist, dass es kalt ist (warm wäre es
absolut ungenießbar) und vor allem: Es ist umsonst!!
Da nur eine Stunde "Happy Hour" verbleibt kann man
oft bei verzweifelten Studenten eine, nennen wir es mal
„Druckbetankung“ beobachten. Die Musik ist gemischt, teils ganz
gut.
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| Kompletter Bus gefüllt mit den Gästen der Überraschungsparty auf dem Weg zur Australian Bar |
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| Australianbar |
Freitag:
Erst einmal war ich körperlich sehr neben der Spur. Abends stand meine Geburtstagsnachfeier an. Ich hatte neben
meinen Mitbewohnern noch einige Freunde zu einem großen deutschen
Essen eingeladen. Um die Mengen an Lebensmitteln auch bezahlen zu
können entschied ich mich im Vorfeld für ein vegetarisches Essen:
Knödel mit Pilzrahmsoße, glasierte Karotten und Rotkohl. Zum
Einkaufen ging es dann zum Bazar West: Meine Neuentdeckung hier schlecht
hin. Wie ich euch bereits geschildert habe liegt mein Wohnheim
ziemlich außerhalb der Stadt, am Rande der Natur. Zwischen dem Wohnheim und
der Stadt findet man eine Art „Ghetto“. Den Migrationsanteil der
Bewohner würde ich auf mindestens 80% schätzen. Es ist wie eine
kleine eigene Kommune und im Zentrum steht Bazar West: ein echter
Bazar!!
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| Willkommen im Bazar West |
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| Einer der vielen winzigen Gänge zwischen den chaotischen Läden |
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| Teil der riesigen Gemüsehalle |
In einem umfunktionierten Lagerhallenkomplex
findet man sich plötzlich zwischen orientalischen Kitsch,
arabischen Essen, sehr netter Leute aber auch zwielichtigen Gestalten
und vor allem einer unglaublicher Vielfalt an Lebensmitteln wieder.
Es ist wie eine echte Parallelwelt. Anders als in der bisher
gewohnten dänischen Welt, die stets mit einer höflichen Distanz
verbunden ist geht es hier sehr laut und bunt zu. Es gibt nichts was
es nicht gibt im Bazar West. Das Gemüse und die Früchte haben eine
klasse Qualität, sind preiswert und man muss nicht riesige Packen
kaufen wie in den Supermärkten. Gewürze, Süßigkeiten, Fleisch,
einfach unglaublich toll! Das könnt ihr sicher anhand der Bilder erahnen.
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| Darfs vielleicht noch ein Schweinchen sein? |
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| Und noch ein anderer Teil der Gemüsehalle. |
Dann stand ich erst einmal ein paar
Stunden in der Küche bis dann meine Gäste eintrudelten (ich hatte
in einem vorigen Post bereits die südländische Verspätungsmentalität
erwähnt...an diesem Abend stellten wieder die Portugiesen mit 1h
Verspätung den Rekord auf, Bravo.).
Meine Gäste erwarteten (wie ich erst
nach dem Essen erfahren durfte) Sauerkraut und Würstchen. Jede menge
Würstchen. Darum waren sie im Vorfeld bei weitem nicht begeistert
deutsches Essen zu probieren und nahmen die Einladung mehr aus Höflichkeit an(was ich auch erst nach dem Essen
erfuhr). Im Nachhinein erklärt das auch das skeptische Beäugen der
Töpfe zu Beginn in der Küche. Als ich Giulio, einem Italiener aus Turin,
erklärte was Semmel-Knödel sind huschte einen kurzen Augenblick ein
gewisser Ausdruck an Ekel über seine Mimik. Mit seinem italienischen
klischee Akzent erwiderte er nach kurzer Bedenkpause in einem
möglichst höflichen Ton: (ich habe mal zur Vervollständigung eurer
Vorstellung des italienischen Akzents die typischen e's ergänzt)
„Old(e) bread(e), eggs?......and(e)....you are boiling it in water?
…..Listen. Why can't we fry it(e)?Maybe its(e) better?“
Ich vertröstete ihn darauf einfach mal
abzuwarten, schließlich waren es deftige Specknödel mit jeder Menge
Zwiebeln. Der sollte doch laufen.
Wie sich herausstellte hatten die Wenigsten zuvor mal deutsch gegessen, und wenn bestanden die
Erfahrungen nur aus Sauerkraut und Würstchen. Knödel war für all meine Gäste ein komplettes Neuland. Verrückt.
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| Rechs Giulio, trotz anfänglicher Skepsis hat er am Ende 3 1/2 Semmelknödel gegessen (man beachte auch den riesigen Soßentopf! Schwäbische "es muss in Soß schwimmen" Tradition auch hier in Dänemark durchgesetzt) |
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| Die Tafel (was für ein klasse Wort) |
Im Endeffekt waren doch alle sehr
begeistert von der neuen kulinarischen Erfahrung, vor allem die
Portugiesen und Spanier fuhren echt auf den Geschmack ab.
Anschließend ging
es auf den J-Day in der Altstadt: das vorweihnachtliche Spektakel
hier schlechthin. Das ist der Tage an dem „das Jule-øl
(Weihnachtsbier) kommt“. Es gibt eine festgelegte Zeit am Abend ab
der das Bier verkauft wird. Sie verkaufen dieses etwas herbere
Gerstengebräu mit den enthaltenen 5,6% als Starkbier.
Aus diesem Grund gibt es an diesem
Abend auch von den Brauereien Programm. Wie läuft das ab? Man kann sich das ähnlich
vorstellen wie einen Auftritt des Duffmans bei den Simpsons. Man befindet sich in einer Bar,
unterhält sich, süffelt sein Jule-øl, schaut amüsiert einem
dänischen Kerl zu, der in einem komplett weißen Anzug vergeblich
versucht wie Michael Jackson zu tanzen. Plötzlich fährt unter
lauter Musik ein eindrucksvoller LKW vor, die Tür fliegt auf!
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| Der LKW fährt vor!!! |
Es
tanzen leicht (aber weihnachtlich) bekleidete Damen herein, gefolgt
von paar starken Männern mit Bierkisten. Die Mädels verteilen
Lippenabdrücke mit Stempeln, leuchtende Buttons (beschriftet mit
„X-MAS“), Weihnachtszipfelmützen und anschließend Freibier.
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| Noé wird von einer J-Day Dame beschenkt: Happy J-Day Noé! |
So
unerwartet dieser Spuk einsetzt, so unerwartet hört er auch
plötzlich wieder auf. Es gibt schließlich auch eine Menge Bars in
Aarhus die bedient werden müssen.
Ein paar Impressionen findet ihr bei Youtube unter J-Day:
Oder hier:
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| Simples aber effektives Marketing |
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| Eine der Bars in der verwinkelten Stadt |
Samstag:
Tagsüber lernen, abends steht eine Helloweenparty im Haus 77
meiner Wohnheimsanlage Skjoldhold Kollegiet an. Haus 77 ist inzwischen der Inbegriff guter Feiern
hier geworden. Die Bewohner des Hauses aus aller Herren Länder sind super drauf und alle auf einer
Wellenlänge. Dieses Mal endlich eine Party mit Motto: Scary Helloween. Nicht gerade kreativ, aber wenigstens etwas! Ich
liebe Mottoparties, aber hier stellt sowas noch eine größere
Herausforderung als in Deutschland dar: da kann man nicht einmal kurz
zu Kik gehen und sich ein Kostüm für 3 Euro zusammenkaufen. Man will kein Geld
ausgeben, und trotzdem kreativ sein. Ich entschied mich als
Phrenologenzombie zu gehen (den Glauben an Schädelvermessung finde
ich schon sehr gruselig). Laborkittel und Brille bekam ich von meinem
Mitbewohner der Chemie studiert, die Haare zum Seitenscheitel gegelt,
ein bisschen bleichen Teint und dunkle Augenhöhlen geschminkt, aus
chinesischen Essensstäbchen und einem Küchengummi in MacGywermanier
ein Kopfvermessungsgerät gebastelt, eine sinnlose phrenologische
Tabelle malen und fertig. Schädelvermessen ist tatsächlich eine super Sache auf um
mit Leuten auf Parties ins Gespräch zu kommen. Kann ich nur empfehlen.
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| Der Joker, durch die Phrenologie endlich entschlüsselt: Er hat die Schädelhöhe eines Werwolfes. Kein Wunder hasst er Fledermäuse. |
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| Zerschossener Mister T (sein litauischer Name ist zu kompliziert...wirklich!) |
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| Was macht Freddie Mercury mit Pacman?!?!...jetzt wirds gruselig! |
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| Als es plötzlich kein Klopapier auf der Toilette gab war klar, wer eigentlich ohne Kostüm gekommen war... |
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| Von der Standardhelloweenverkleidung bis hin zur Kerze: Alles da! |
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| Theo Waigel...das ist nicht gruselig, das gehört verboten! |
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| Neue nette Freunde aus der Heimat (konnte ich anhand der Schädelmaße ermitteln) |
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| Gangnam Syle war gestern! |
Ansonsten eine klasse Party, die
bis zum frühen Morgen ging. Tolle Leute, viel Spaß, ich war allerdings froh als ich endlich in mein Bett fallen konnte.
Sonntag:
Erholen.
Ja, das war ein Erasmuswochenende.
Nicht vergessen, das ist nur eine Seite der Medaille. Ich muss unter anderem gerade
für ein Seminar für mein Paper 800 Seiten Literatur suchen und durcharbeiten...nein: es
besteht hier nicht alles aus dem Feiermodus. Keinen falschen Eindruck hier bekommen, alles klar?! In diesem Sinne, macht
es gut, ich hoffe es hat euch gefallen.
Bis zum nächsten Mal.
Tobi