Mittwoch, 10. Oktober 2012


„Oktober ist wie November, nur früher; und früher war alles besser.“
Edmund Stoiber





Oktoberfest in Dänemark? Hört sich komisch an...ist es auch! Als ich von der Veranstaltung am letzten Samstag im Studentenhaus (eine Einrichtung der Uni mit regelmäßigen Partys und Konzerten etc. direkt an der Uni) hörte, spürte ich in mir eine Euphorie aufsteigen. Da-musst-du-hin! Ein Grund mag wohl das Angebot für Gäste die vor 21 Uhr kommen gewesen sein: Freier Eintritt (inklusive Biermaßglas 1L, das man mitnehmen dufte) und einem guten Preis Leistungsverhältnis (1Maß für 50 Kronen= 6,70Euro). Voller Elan animierte ich meine Mitbewohner. Nach etwas Überzeugungsarbeit war eine sechsköpfige Erlebnisreisegruppe für den Abend gefunden. Der ausgemachte Treffpunkt: 20:15 Abfahrt an der Busstation des Wohnheims. Da meine Mitbewohner aus ihrer südländischen Heimat auch ihr Zeitgefühl mitgebracht haben, war es eigentlich absehbar, dass wir erst später loskommen würden. Ja, vielleicht war ich auch einfach nur naiv (mit ein wenig Stolz kann ich sogar sagen, dass ich der Erste war, der zum Abmarsch bereit stand). Um 20:40 Uhr war endlich auch der Letzte fertig: los geht’s! Wir nehmen den nächsten Bus, Abfahrt um 20:45. Am Studentenhaus (15 Minuten zu spät für das Angebot angekommen) bekommen wir die Quittung (im wahrsten Sinne des Wortes). Teures Eintrittsgeld, und teureres Bier. Toll. Kleiner Dämpfer, aber da wir wirklich gut drauf waren: Wieso nicht, der Abend wird sicher noch gut!
Wir zahlen unsern Eintritt bei dem netten dänischen Herrn in Lederhose, mit einem kleinen grauen Filzrucksack auf dem Rücken (dazu nachher mehr) und einem kleinen Hut. Ich muss lächeln, er sieht schon sehr albern aus. Während ich meine Kronen im Geldbeutel zusammensuche kann ich die wummernden Bässe hinter der Türe dem lieben Anton aus Tirol zuordnen. Mir wird schlagartig klar: Nein. Was zum Teufel mach ich hier eigentlich?!
Es gibt wenig was ich mehr verabscheue, als die stereotype deutsche Art zu feiern (a la Ballermann oder gar noch schlimmer wirklich nur auf die Klischees runtergebrochen). Was erwarte ich denn nun bitte von einem „deutschen Volksfest“ im Ausland?! Zu spät, Eintritt ist gezahlt, die ungeduldige Schlange hinter mir drängt mich den unverheißungsvollen Türen entgegen. Die Security Männer (im schicken Anzug mit Knopf im Ohr) öffnen die Türe. Partylichter strahlen mir aus der Dunkelheit entgegen, Anton aus Tirol schreit mich in voller Lautstärke an, wie schön und toll er sei. Dies ist also die Pforte der deutschen Hölle (wir ignorieren einfach mal den Fakt, dass Tirol nicht in Deutschland liegt, um ehrlich zu sein, wenn das die deutsche Hölle ist, dann will ich die österreichische Hölle gar nicht erst sehen..).
Wir treten ein. Der Saal ist sehr dunkel, man erkennt aber ein wenig Dekoration durch Paulanergirlanden und bayrischen Flaggen. Da es ja schließlich Oktoberfest ist, stehen überall Tischreihen, als Tischdecke stilecht bayrische Fahnen. 
STIMMUNG!!!
Allerdings haben die Dänen nicht verstanden, dass das Konzept des Banksitzens nur was bringt, wenn man den ganzen lieben Tag ab dem Morgen in Oktoberfestmanier begehen will. Die Situation hier sieht ein wenig anders aus: Die Leute sitzen im Dunkeln an ihren Tischen, schweigen sich an, trinken mit ungeschickten Bewegungen aus den ungewöhnlich großen Gläsern, oder befassen sich mit ihren Smartphones. Ab und zu werden die Gesichter durch die Strahlen des ein oder anderen Diskoscheinwerfers erhellt, die von der Bühne aus ein wenig unkoordiniert durch den Raum huschen. Arm, sehr arm. Die Stimmung ähnelt eher einer Beerdigung als einem Volksfest (O-Ton eines Mitglieds meiner Erlebnisreisegruppe: Bob).
Statt dem üblichen Royal Bier aus Dänemark wird hier heute echtes Paulaner ausgeschenkt. Der ein oder andere Gast und Bedienstete hat eine Tracht an, aber wirklich alle Bedienstete haben einen kleinen grauen Filzrucksack auf.
...natürlich, es gibt ja nichts deutscheres als einen kleinen grauen Filzrucksack.
...selten so etwas deutsches gesehen.


Ich bin ein wenig überfordert mit der Situation. Ich muss mir verärgert selbst gestehen, dass meine Vorstellung der Veranstaltung wohl eher einem utopischen Kurzurlaub in der Heimat entsprach.
Wir holen uns unsere erste Maß und setzen uns hin. Neben unserer Gruppe sitzt ein Pärchen. Sie tippt nur auf ihrem Handy rum, er sitzt lustlos vor seinem halbvollem Glas. Es fällt kein Wort. In unserer Gruppe jedoch kommt ein Gespräch zustande, Thema ist natürlich die Erbärmlichkeit des Fests. Meine Leute stellen mich ernsthaft zur Reden, wie wir Deutschen denn auf diese Art und Weise Spaß haben können. Da ich selber noch nie auf der Wiesn war, berichte ich von meinen anderen Volksfesterfahrungen und distanziere mich aber in jeder Hinsicht von der dänischen Interpretation.
Der DJ versucht durch das Lied „Cowboy und Indianer“ Stimmung aufzubringen. Es gelingt ihm nicht. In diesem Moment dachte ich, ok, das wird nichts mehr. Aber es sollte anders kommen. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass ausgerechnet deutsche Wertarbeit den Abend noch wenden könnte: Die Leute waren das deutsche Paulaner Bier nicht gewohnt! Innerhalb der nächsten halben Stunde wurden die Leute sichtlich betrunken! Allerdings waren die Meisten aber immer noch sichtlich unzufrieden mit dem Fest. Klar, wenn man um 22 Uhr in der Dunkelheit mit ohrenbetäubender Musik an Tischen sitzt (bei der Lautstärke sich zu unterhalten war echt anstrengend. Hölle Hölle Hölle..danke Wolfgang Petry, danke für NICHTS!).
Gebrauchsanweisung zum "Anbandeln"

Grund genug, meine Leute in die deutsche Bierzelt-“Hocketse“-Kultur einzuweisen. Deutsche Animateursarbeit war gefragt. Das wichtigste: „Never forget: always prosting!“. Aus zierlichen anfänglichen Versuchen wurde in kürzester Zeit regelrecht eine Prost-Manie. Als ich dann noch nach großer Nachfrage „Ein Prosit der Gemütlichkeit“ (wurde natürlich auch gespielt und das nicht nur einmal) in Lautschrift auf eine Serviette schmierte, konnte ich in den mit grölenden Gesichtern aus Portugal, Frankreich, Rumänien etc fasst schon ein wenig deutsche Bierzeltzufriedenheit erkennen. Das Blatt wendete sich, das Bier lief. 
Anissa und Rui versuchen ihre deutschen Kulturkompetenzen durch das Schunkeln zu erweitern (and don't forget: always prosting!)

Auch die Rumänen entdecken das Oktoberfest für sich.

Langsam ging mir selbst der DJ, der seinen Gesang zur miserablen Musik mischte (stets parallele Stimmführung, meist im Tritonusintervall, manchmal aber auch in der None. Wundervoll.) am Allerwertesten vorbei. So wurde der Abend dann doch noch ziemlich lustig.
ALWAYS PROSTING!
Und noch etwas schwer Deutsches: eine sich betrinkende amische Asiatin (?!o.0) , ein Typ in Lederhosen mit lustigem Hut, eine Asiatin, die sich sichtlich unwohl fühlt, und nicht zu vergessen: das typisch deutsche Pikachu im Hintergrund.

Das Ende des Lieds: letzten Bus zum Wohnheim verpasst, auf den ersten Bus am nächsten Morgen kurz nach 4Uhr bei Temperaturen um den 0° Punkt warten. Daheim wurden erstmal gemeinsam die Reste des Mittags gegessen: rumänische Bohnensuppen mit geräucherten Rippchen. Ein furioses Geschmacksfinale des Abends!

Fazit: Bitter süßer Abend mit der deutschen Kultur aus einer anderen Perspektive. Ich würde den Dänen aber trotzdem dringend raten dänisch zu bleiben, die kleinen grauen Filzrücksäcke sehen einfach wirklich zu albern aus.

Nach dem Erlebnis am letzten Wochenende werde ich heute Abend aber nun wirklich in die Heimat fahren, da ich eine Klausur am Südasieninstitut nachschreiben muss. Teils ärgerlich (die Leute hier machen einen Trip nach Stockholm und ich darf pauken), und doch erfreulich. Ich mein: wer kommt denn bitte nicht gerne nach Hause?!

So gehabt euch wohl, und bis zu nächsten Mal
Euer
Tobi


Nette Verabschiedung meiner Mitbewohner

Dienstag, 2. Oktober 2012


"Tobi..hier kommt der Genuss..[...]
..bing."
 Tim Mälzer






Liebe Mitleser,
Heute mache ich euch zu Mitessern. Da es letztes Mal mit so vielen Worten zuging (und es waren dazu auch noch ganz verschiedene Worte, es tut mir Leid, das war wirklich gemein) gibt es dieses Mal nur ein Video.  Und zwar ein kleines, aber feines Rezept.

Und so solls dann am Schluss aussehen.