„Oktober ist wie November, nur
früher; und früher war alles besser.“
Edmund Stoiber
Oktoberfest in Dänemark? Hört sich
komisch an...ist es auch! Als ich von der Veranstaltung am letzten Samstag im
Studentenhaus (eine Einrichtung der Uni mit regelmäßigen Partys und
Konzerten etc. direkt an der Uni) hörte, spürte ich in mir eine Euphorie
aufsteigen. Da-musst-du-hin! Ein Grund mag wohl das Angebot für
Gäste die vor 21 Uhr kommen gewesen sein: Freier Eintritt
(inklusive Biermaßglas 1L, das man mitnehmen dufte) und einem guten
Preis Leistungsverhältnis (1Maß für 50 Kronen= 6,70Euro). Voller
Elan animierte ich meine Mitbewohner. Nach etwas Überzeugungsarbeit
war eine sechsköpfige Erlebnisreisegruppe für den Abend gefunden.
Der ausgemachte Treffpunkt: 20:15 Abfahrt an der Busstation des
Wohnheims. Da meine Mitbewohner aus ihrer südländischen Heimat auch
ihr Zeitgefühl mitgebracht haben, war es eigentlich absehbar, dass
wir erst später loskommen würden. Ja, vielleicht war ich auch
einfach nur naiv (mit ein wenig Stolz kann ich sogar sagen, dass ich
der Erste war, der zum Abmarsch bereit stand). Um 20:40 Uhr war
endlich auch der Letzte fertig: los geht’s! Wir nehmen den nächsten Bus, Abfahrt
um 20:45. Am Studentenhaus (15 Minuten zu spät für das Angebot
angekommen) bekommen wir die Quittung (im wahrsten Sinne des Wortes).
Teures Eintrittsgeld, und teureres Bier. Toll. Kleiner Dämpfer, aber
da wir wirklich gut drauf waren: Wieso nicht, der Abend wird sicher
noch gut!
Wir zahlen unsern Eintritt bei dem
netten dänischen Herrn in Lederhose, mit einem kleinen grauen
Filzrucksack auf dem Rücken (dazu nachher mehr) und einem kleinen
Hut. Ich muss lächeln, er sieht schon sehr albern aus. Während ich
meine Kronen im Geldbeutel zusammensuche kann ich die wummernden
Bässe hinter der Türe dem lieben Anton aus Tirol zuordnen. Mir wird
schlagartig klar: Nein. Was zum Teufel mach ich hier eigentlich?!
Es gibt wenig was ich mehr verabscheue, als die stereotype deutsche Art zu feiern (a la Ballermann oder gar noch schlimmer wirklich nur auf die Klischees runtergebrochen). Was erwarte ich denn nun bitte von einem „deutschen Volksfest“ im Ausland?! Zu spät, Eintritt ist gezahlt, die ungeduldige Schlange hinter mir drängt mich den unverheißungsvollen Türen entgegen. Die Security Männer (im schicken Anzug mit Knopf im Ohr) öffnen die Türe. Partylichter strahlen mir aus der Dunkelheit entgegen, Anton aus Tirol schreit mich in voller Lautstärke an, wie schön und toll er sei. Dies ist also die Pforte der deutschen Hölle (wir ignorieren einfach mal den Fakt, dass Tirol nicht in Deutschland liegt, um ehrlich zu sein, wenn das die deutsche Hölle ist, dann will ich die österreichische Hölle gar nicht erst sehen..).
Es gibt wenig was ich mehr verabscheue, als die stereotype deutsche Art zu feiern (a la Ballermann oder gar noch schlimmer wirklich nur auf die Klischees runtergebrochen). Was erwarte ich denn nun bitte von einem „deutschen Volksfest“ im Ausland?! Zu spät, Eintritt ist gezahlt, die ungeduldige Schlange hinter mir drängt mich den unverheißungsvollen Türen entgegen. Die Security Männer (im schicken Anzug mit Knopf im Ohr) öffnen die Türe. Partylichter strahlen mir aus der Dunkelheit entgegen, Anton aus Tirol schreit mich in voller Lautstärke an, wie schön und toll er sei. Dies ist also die Pforte der deutschen Hölle (wir ignorieren einfach mal den Fakt, dass Tirol nicht in Deutschland liegt, um ehrlich zu sein, wenn das die deutsche Hölle ist, dann will ich die österreichische Hölle gar nicht erst sehen..).
Wir treten ein. Der Saal ist sehr
dunkel, man erkennt aber ein wenig Dekoration durch Paulanergirlanden
und bayrischen Flaggen. Da es ja schließlich Oktoberfest ist, stehen
überall Tischreihen, als Tischdecke stilecht bayrische Fahnen.
| STIMMUNG!!! |
Allerdings haben die Dänen nicht verstanden, dass das Konzept des
Banksitzens nur was bringt, wenn man den ganzen lieben Tag ab dem
Morgen in Oktoberfestmanier begehen will. Die Situation hier sieht
ein wenig anders aus: Die Leute sitzen im Dunkeln an ihren Tischen,
schweigen sich an, trinken mit ungeschickten Bewegungen aus den
ungewöhnlich großen Gläsern, oder befassen sich mit ihren
Smartphones. Ab und zu werden die Gesichter durch die Strahlen des
ein oder anderen Diskoscheinwerfers erhellt, die von der Bühne aus
ein wenig unkoordiniert durch den Raum huschen. Arm, sehr arm. Die
Stimmung ähnelt eher einer Beerdigung als einem Volksfest (O-Ton
eines Mitglieds meiner Erlebnisreisegruppe: Bob).
Statt dem üblichen Royal Bier aus
Dänemark wird hier heute echtes Paulaner ausgeschenkt. Der ein oder andere Gast und Bedienstete hat eine Tracht an, aber wirklich alle Bedienstete haben einen
kleinen grauen Filzrucksack auf.
...natürlich, es gibt ja nichts deutscheres als einen kleinen grauen Filzrucksack.
...natürlich, es gibt ja nichts deutscheres als einen kleinen grauen Filzrucksack.
| ...selten so etwas deutsches gesehen. |
Ich bin ein wenig überfordert mit der
Situation. Ich muss mir verärgert selbst gestehen, dass meine
Vorstellung der Veranstaltung wohl eher einem utopischen Kurzurlaub
in der Heimat entsprach.
Wir holen uns unsere erste Maß und
setzen uns hin. Neben unserer Gruppe sitzt ein Pärchen. Sie tippt
nur auf ihrem Handy rum, er sitzt lustlos vor seinem halbvollem Glas.
Es fällt kein Wort. In unserer Gruppe jedoch kommt ein Gespräch
zustande, Thema ist natürlich die Erbärmlichkeit des Fests. Meine
Leute stellen mich ernsthaft zur Reden, wie wir Deutschen denn auf
diese Art und Weise Spaß haben können. Da ich selber noch nie auf
der Wiesn war, berichte ich von meinen anderen Volksfesterfahrungen
und distanziere mich aber in jeder Hinsicht von der dänischen
Interpretation.
Der DJ versucht durch das Lied „Cowboy
und Indianer“ Stimmung aufzubringen. Es gelingt ihm nicht. In
diesem Moment dachte ich, ok, das wird nichts mehr. Aber es sollte anders kommen. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass ausgerechnet deutsche
Wertarbeit den Abend noch wenden könnte: Die Leute waren das
deutsche Paulaner Bier nicht gewohnt! Innerhalb der nächsten halben
Stunde wurden die Leute sichtlich betrunken! Allerdings waren die Meisten aber immer noch
sichtlich unzufrieden mit dem Fest. Klar, wenn man um 22 Uhr in der
Dunkelheit mit ohrenbetäubender Musik an Tischen sitzt (bei der
Lautstärke sich zu unterhalten war echt anstrengend. Hölle Hölle
Hölle..danke Wolfgang Petry, danke für NICHTS!).
| Gebrauchsanweisung zum "Anbandeln" |
Grund genug, meine Leute in die
deutsche Bierzelt-“Hocketse“-Kultur einzuweisen. Deutsche Animateursarbeit
war gefragt. Das wichtigste: „Never forget: always prosting!“.
Aus zierlichen anfänglichen Versuchen wurde in kürzester Zeit
regelrecht eine Prost-Manie. Als ich dann noch nach großer Nachfrage
„Ein Prosit der Gemütlichkeit“ (wurde natürlich auch gespielt
und das nicht nur einmal) in Lautschrift auf eine Serviette
schmierte, konnte ich in den mit grölenden Gesichtern aus Portugal,
Frankreich, Rumänien etc fasst schon ein wenig deutsche
Bierzeltzufriedenheit erkennen. Das Blatt wendete sich, das Bier
lief.
| Anissa und Rui versuchen ihre deutschen Kulturkompetenzen durch das Schunkeln zu erweitern (and don't forget: always prosting!) |
| Auch die Rumänen entdecken das Oktoberfest für sich. |
Langsam ging mir selbst der DJ, der seinen Gesang zur miserablen Musik
mischte (stets parallele Stimmführung, meist im Tritonusintervall,
manchmal aber auch in der None. Wundervoll.) am Allerwertesten
vorbei. So wurde der Abend dann doch noch ziemlich lustig.
| ALWAYS PROSTING! |
Das Ende des Lieds: letzten Bus
zum Wohnheim verpasst, auf den ersten Bus am nächsten Morgen kurz nach 4Uhr
bei Temperaturen um den 0° Punkt warten. Daheim wurden erstmal
gemeinsam die Reste des Mittags gegessen: rumänische Bohnensuppen mit
geräucherten Rippchen. Ein furioses Geschmacksfinale des Abends!
Fazit: Bitter süßer Abend mit der
deutschen Kultur aus einer anderen Perspektive. Ich würde den Dänen
aber trotzdem dringend raten dänisch zu bleiben, die kleinen grauen
Filzrücksäcke sehen einfach wirklich zu albern aus.
Nach dem Erlebnis am letzten Wochenende
werde ich heute Abend aber nun wirklich in die Heimat fahren, da ich
eine Klausur am Südasieninstitut nachschreiben muss. Teils ärgerlich
(die Leute hier machen einen Trip nach Stockholm und ich darf pauken), und doch
erfreulich. Ich mein: wer kommt denn bitte nicht gerne nach Hause?!
So gehabt euch wohl, und bis zu
nächsten Mal
Euer
Tobi
| Nette Verabschiedung meiner Mitbewohner |
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