Samstag, 29. September 2012


„Boris likes Education.“
Boris





Hallo Freunde! Es ist wieder Blog-Zeit! Nun denn, heute werde ich euch von meiner Uni berichten, meinen Kursen und den Unterrichtsmethoden hier (wird ein bisschen ausführlicher, es gibt ja schließlich auch ein paar Dänemark Auslandssemester-Interessierte unter euch, aber andere Mitleser sind mir natürlich ebenso Willkommen!).

Zur Lage des Campus muss ich erst einmal eine Einführung über die Geografische Beschaffenheit Dänemarks geben. Dänemark ist nicht flach. Leider nein.
Aarhus wurde auch einem Berg errichtet. Und was befindet sich auf der (zumindest gefühlt) höchsten Stelle des Berges? Richtig, der Campus.
Plan des Campus

Mitten in der Stadt, oben auf dem Berg. Bisher fahre ich witterungsbedingt noch mit dem Bus zur Uni, aber spätestens im Frühjahr soll (bzw muss) ein Fahrrad her. Ein bisschen graut es mir ja schon: Jeden morgen sieht man eine nicht aufhören wollende Meute Fahrradfahrer, rote, vor Anstrengung verzerrte Gesichter, gar diabolische Fratzen. Einer kämpft sich nach dem Anderen hoch. Lustig als Businsasse. Als Fahrradfahrer ein nackter Kampf mit der gnadenlosen Umwelt von Aarhus.
Nun denn, wir sind nun am Campus angekommen.
Schön, einfach schön.

...und so idyllisch.
Vor uns tut sich ein Park auf, viel grün, perfekt gemähte Wiesen, Seen, natürlich wirkende Wasserläufe, Enten, es erinnert an den Rosensteinpark in Stuttgart, mit der Ausnahme, dass ein paar Klinkerhäuser (die Institute und Wohnheime) rumstehen.



Leider habe ich nur eine Veranstaltung hier. Meistens bin ich im "Nobel Park" (der neueste Teil der Uni). Sehr moderne große Gebäude schreien dort einen nur so mit Design an. Es herrscht allgemein eine sehr angenehme Atmosphäre.
Campus Nobel Park
Drinnen angekommen. In fast jedem Zimmer findet sich ein E-Whiteboard, also quasi eine elektronische Multimedia Tafel. Bisher war auch jeder Raum in dem ich war mindestens ein PC, ein Beamer und eine Anlage installiert, und lustigerweise hatte auch jeder Raum noch zusätzlich 2 normale Tafeln. Man merkt, hier wird nicht gegeizt.
Vor allem merkt man, dass sich alle an der Uni stets alle Bemühen einen möglichst progressiven Kurs zu fahren. Beispielsweise bestand das Konzept, alle Südasienstudien Skandinaviens in einen Poolunterricht umzuwandeln. Studenten aus Schweden, Norwegen, Dänemark sollten dank der modernen Technologie über Beamer zeitgleich Vorlesungen erhalten. Eine derart normierte Bildung. Interessant und wie ich finde doch ein wenig unheimlich. Da sich aber niemand für diesen "Poolstudiengang" eingeschrieben hat wurde das Konzept vorerst verworfen. Ich habe aber ein Seminar bei dem Hauptverantwortlichen des Projekts (Niels Brimnes) .Ein sehr kompetenter Mann und dazu sehr nett (er erinnert mich ein bisschen an meinen Kinderarzt Dr. Knapp). Das Thema seiner Veranstaltung sind Kolonialismus und Postkolonialismus -relationen. Derzeit befinden wir uns in der Einarbeitungsphase. Die wöchentlichen Themen werden durch verschiedene sehr umfangreiche und detaillierte Texte aus 3 Perspektiven hinterleuchtet. Im Seminar werden die Theorien dann jeweils herausgearbeitet, diskutiert und in den Kontext gestellt. Sehr effektive Methode wie ich finde. Anschließend wird es eine Themenfindungsphase für ein Paper das jeder Teilnehmer zu schreiben hat geben (Themenwahl ist völlig steht frei, sollte aber eben einen Bezug haben). Und dazu schreiben wir parallel im Semester zusammen online einen Wiki Artikel, der falls es klappt auch auf Wikipedia kommt. Ist ein völlig neues Konzept der Uni und wir sind quasi die Versuchskaninchen.
Meine zweite Veranstaltung ist eine klassische Vorlesung zur Geschichte Indiens bei einem indischen Gastdozenten aus Kolkata namens Kaushik Roy. Nichts besonderes, wieder viel zu lesen. Meine dritte Veranstaltung ist ein sogenanntes Projekt. Ist wie ein Seminar, mit Hausarbeit zusätzlich mit angewandten Versuchen. Ich belege das an der Theologischen Fakultät. Thematisch geht es um das Menschliche Gehirn: Wie verarbeitet unser Gehirn Informationen, wie erstellt es unsere Realität? Daraus wird dann die Frage gestellt: Wie kann man sich aus diesen biologischen und psychologischen Hintergründen Wunder, Mystik und Magie erklären?
Wahnsinnig interessant, mal etwas völlig anderes! Am faszinierendsten ist es über die Informationsverarbeitung eines Gehirns zu lesen und dabei festzustellen : Krass, das passiert ja gerade in diesem Augenblick wirklich alles da oben drinnen.

Zu den allgemeinen Methoden: 
Es gibt hier zwar Präsentationen von Studenten, diese sind allerdings nicht länger als 10minuten (maximal) und dienen nur zur Themenhinführung. Die richtigen Präsentationen werden vom Professor oder aber meistens von seinen PHD Studenten. Dadurch ist in jeder Sitzung qualitativ was geboten (ich erinnere mich an sinnlose Unitage in Heidelberg an denen sich eine schlechte Bachelorpräsentation an die Nächste reihte und man am abend eher dümmer als klüger die Uni verließ). 

Wer hat mitgezählt? Richtig, ich habe nur 3 Veranstaltungen in der Woche (jeweils 3-4 Stunden mit 15min Kaffeepause) und erfülle mit meinen angestrebten 35 Punkten mehr als die Semester Norm von 30 Punkten. Der größte Zeitaufwand besteht aus dem Lesen der Texte, das in jeder Veranstaltung als Voraussetzung angesehen wird. Pro Woche sind das ca. 500-600 Seiten. Man gewöhnt sich aber ziemlich schnell daran. Sehr schön ist, dass man sich eben die Zeit selber einteilen kann (bleibt genug Zeit für die Musik oder anderen Schabernack).


Ich bei meiner Hauptbeschäftigung..


Und da wir gerade dabei sind: gibt noch mehr modernen Schnickschnack:

-Es gibt ein Online Messenger Programm der Uni, dass als Pool aller Materialien der Veranstaltung dient, in dem aber auch (wie in ICQ, Skype oder ähnlichem) alle Teilnehmer inklusive Dozent als Chatpartner zur Verfügung stehen.
-Meine Veranstaltung sind alle auf Englisch und ich muss sagen die Dänen sprechen ein hervorragendes (vor allem ein sehr verständliches) Englisch (mein Dozent aus Kolkata ist da die Ausnahme...aber wenigstens mit seinem Indian English eine lustige Ausnahme)
-Ich will die helle moderne Bibliothek hervorheben. Es sind nicht nur die Hängematten, die die Bib zu einem ausgesprochen angenehmen Ort machen.


Die unglaublich geile Bibliothek: Sogar Essen und Trinken darf man mitnehmen.




 Alles so perfekt? Hier muss doch was Faul sein? Oder wie Judith Holofernes fragen würde: „Die Sache hat doch einen HaCken?!“. Tja, auch die Welt der skandinavischen universitären Bildung ist nicht ganz so perfekt wie sie scheint.

Der erste Kritikpunkt ist eigentlich einer der eigenen negativen Attitüden:
Pünktlichkeit ist den Dänen unglaublich wichtig. Wenn man aber aus einem Umfeld wie das Südasieninstitut Heidelbergs kommt, dann ist man die indische Viertelstunde (akademisch auch SAI CT genannt) gewohnt. Hier in Aarhus kriecht der Dozent demütig, Entschuldigungen vor sich hin faselnd in den Raum, wenn er nur 2 Minuten zu spät ist (was bisher auch nur einmal vorgekommen ist). Aber da Pünktlichkeit sowieso ein Ziel ist auf meiner „Im-Leben-noch-zu-lernen-Liste“ steht kommt mir das eher zu Gute. 
Schwer negativer Punkt:
Ich hatte bereits erwähnt, dass die Dänen keinen Kaffee kochen können. Darum haben sie in der Mensa einen Kaffeeautomaten. Der Automat nimmt NUR die Visa Karte und spuckt für umgerechnet 3,20 Euro ein widerliches Braunes Gebräu aus. Der Unishop hat nicht immer offen, aber wenn ja gibt es dort Kaffee in vergleichbarer Qualität, aber für nur einen Euro! Übrigens muss ich mich revidieren: Das Billigste in der Kantine sind zwar belegte Brötchen, diese kosten allerdings nicht 3 Euro, sondern mindestens 4 Euro. Ansonsten ist das Essen wie bei einem Geburtstagsbuffet angerichtet. Es gibt immer nur ein Tagesessen, die Teller sind klein, Preis beginnt bei ca. 6 Euro. Das sind die Momente in denen ich mich in die Heidelberger Triplex Mensa sehne.


Mensa Nobel Park, mitten drinnen: ein Hörsaal mit Einblick/Ausblick (muss das ätzend sein da drinnen wärend der Mittagsessenszeit in einer Vorlesung zu sitzen)


Nun, ich hoffe ich konnte euch einen Einblick geben. Mir gefällt das Konzept hier gut. Auf den Punkt gebracht: Weniger "Verschulung", weniger Veranstaltungen dafür bearbeitet man die jeweiligen Themen sehr sehr intensiv. Ganz oder gar nicht. Zu diesem Konzept gehört viel unverzichtbare Vorbereitungs/Lesezeit, es wird ein wirklich größerer Teil an Selbstorganisation abverlangt als in Deutschland. Dafür bleibt aber auch merklich mehr hängen.
Falls ihr spezifischere Fragen habt schreib mich einfach an.
Unten findet ihr weitere Impressionen zur Uni.
In diesem Sinne, ein schönes Wochenende noch


Euer
Tobi





ne Katze.


(Textquelle: Wikipedia
http://de.wikipedia.org/wiki/Universit%C3%A4t_Aarhus)
 Die Universität Aarhus (dänisch: Aarhus Universitet; lateinisch: Universitas Arhusiensis) ist mit mehr als 34.000 Studenten die zweitgrößte Universität in Dänemark mit Sitz in der Stadt Aarhus.























Efeu

mehr Efeu















Universität Aarhus
Logo
MottoSolidum petit in profundis
Gründung1928
Trägerschaftstaatlich
OrtAarhus, Dänemark
RektorLauritz B. Holm-Nielsen
(seit 2005)
Studenten34.129 (FTE, 2011)[1]
Mitarbeiter6.800
davon Professoren740
Websiteau.dk





Sommerauditorium

Das Studenthaus

Viel Efeu
nochmal Efeu


Die Aula (kein Efeu, jedenfalls drinnen)



Im Nobel Park (zu modern für Efeu)
Eine der Mensen (Efeusalat)




Montag, 10. September 2012



"Die Zwei ist Zweifel, Zwist, ist Zwietracht, Zwiespalt, Zwitter;
die Zwei ist Zwillingsfrucht am Zweige süß und bitter.."

Mojo Banane



Hallo Miteinander,
Erst einmal Danke für euer Feedback! Freut mich, dass so viele den Blog verfolgen.
Heute gibts die doppelte Ladung: ein Video zur meiner ersten erfolgreichen Traumerfüllung und dazu werde ich ein paar Worte zu den Lebenskosten hier in Dänemark verlieren.


Zu den  Lebenskosten:
Dänemark hat eine saftige Mehrwertsteuer von 25 %. Nun wird der empfindliche deutsche Leser sagen, „OH MEIN GOTT?!“, der Norweger wird sagen „kaum zu glauben wie billig..“. Meine Schwabengene divergieren leider ganz schön von denen der Skandinaviern.
Nun ja, wären die Mehrwertsteuern doch nur alles, doch die Dänische Regierung hat Allüren einer sich sorgenden Mutter, die ihre Kinder vor allem Ungesunden bewahren will. Auf Alkohol, Tabakprodukte sowie Süßigkeiten gibt es die sogenannte Luxussteuer (die wirklich sehr hoch ausfällt). Zu Glück tangiert mich die Tabaksteuer nicht (ich habe echt Mitleid mit den ganzen Rauchern hier, zahlen sich dumm und dämlich um eines qualvollen Todes zu sterben..). Die Alkoholsteuer hingegen ist allgegenwärtig. Hochprozentiges und Wein ist mindestens doppelt so teuer wie in Deutschland. Zwar gibt es billiges Bier im Supermarkt (das billigste bei Aldi 0,3L für nur 2,50 DK also ca. 50 Cent), da muss man sich aber wirklich fragen was drinnen ist (Zumal das deutsche Reinheitsgebot hier von den Meisten nur mit ungläubigen Kopfschütteln aufgenommen wird). Dieses Billigbier schmeckt nach Öttinger Export aufgekocht mit Faxe in dem anschließend für 3 Jahre ein Teebeutel der Geschmacksnote Kupfer/Fenchel/Sportsocken gezogen hat, also ziemlich widerlich. Gutes Bier kostet im Supermarkt 0,3L ab ca. 1 Euro aufwärts. Nun, das ist machbar, aber geht man jedoch abends in eine Bar oder gar in einen Club wird es richtig teuer. Unter 30 Kronen (ca. 4 Euro für 0,3L) läuft oft nichts. Man muss schon wissen wo man hingeht. Nun, man passt sich den Bedingungen an, aber das war auch noch nicht alles. Mama Dänemark meint es schließlich wirklich sehr sehr gut mit uns: seit 2011 gibt es auf Fett sowie Zucker extra Steuern.
(Mehr dazu unter anderem hier hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Fettsteuer)
Es explodierten die Preise von so ziemlich allen Produkten die Fett oder Zucker enthalten, und das sind nicht gerade wenige...
500g Hackfleisch werden als Angbeot für umgerechnet 5 Euro angepriesen

Ergo: So ziemlich alles was gut schmeckt ist teuer. Ein fetter Braten ist hier im wahrsten Sinne des Wortes ein Luxusgut. Ein Lichtblick sind Fische und Meerestiere. 1Kg Muscheln ist schon für ca. 3 Euro zu haben. Naja, ich habe mir jedenfalls gestern eine Angelausrüstung bestellt. Fehlt nur noch ein Gemüsegarten, eine Schweinezucht und meiner Autarkie hier steht nichts mehr im Wege.
Thema Schweinezucht, wusstet ihr, dass Dänemark nur ca. 5,5 Millionen Einwohner hat? Der Schweinebestand liegt allerdings bei 13,1 Millionen! Das macht das Land zum fünftgrößte Schweineproduzent Europas. Man bekommt sogar fertig gegrillten Bacon in Variationen in der Supermarktkühltruhe. Aber das Essen ist eine eigene Geschichte hier, von der ich bei Zeiten ausführlichst Berichten werde. Bis dahin bleibt nur zu sagen:
Soweit so gut,
ich grüße auch den Helmut

Euer
Tobi

Samstag, 8. September 2012



"Videoblog? War das nicht eine Boygroup in den 90ern?"
Rabindranath Tagore







Wie wir alle bereits in der Schule lernen durften: Ein Video sagt mehr als tausend Worte.
Heute: Ich zeige euch wo ich die nächsten Monate leben werde.

Mittwoch, 5. September 2012



„Je höher die Technologie, desto höher das Kontaktbedürfnis.“
Julius Caesar


Liebe Freunde, Leser, Erzfeinde, Wuiks und der ganze Rest,
Wenn ihr mich kontaktieren wollt könnt ihr das gerne per Mail, Facebook (Benutzername Tobee Manngross), Skype (tsgrossmann) oder Handy tun.
Am liebsten ist es mir jedoch per Mail



Aktuell habe ich noch meine deutsche o2 Nummer (die habt ihr glaube ich alle...), diese wird aber in absehbarer Zeit aufs Eis gelegt .
Ihr könnt mir günstig SMS an die folgende deutsche Nummer (D2) schreiben:
0049 152/06697829
Außerdem habe ich nun eine dänische Nummer:
0045 60907442

Meine neue Adresse lautet:

Tobias Grossmann
Spobjergvej 45 vær. 12
Skjoldhøj Kollegiet
8220 Brabrand

Freue mich über sowohl über Feedback als auch so über Post, Pizza, Mails, unmoralische und moralische Angebote, Gefühlsduseleien etc.

Dienstag, 4. September 2012


"Es ist nicht damit getan, daß wir uns erstaunt die Augen reiben und anschließend zur alten Tagesordnung zurückkehren. Die Verhältnisse haben sich dramatisch gewandelt, und dem gilt es, Rechnung zu tragen."
DJ Achi 


Hier sitze ich am Bahnhof Aarhus und warte nach drei unglaublich intensiven Tagen auf meinen Zug der mich zurück in die heile alte Welt bringt. Viel erlebt, Zeit um eine kleine Bilanz zu ziehen. Drei Tage Aarhus, die zu 50% Bürokratie bestanden (was wirklich sehr sehr nervend ist). Beispielsweise braucht jeder, der hier arbeitet oder studiert eine sogenannte CPR Nummer (Central Person Register). Ohne diese Nummer kann man sich nicht einmal bei einem Fitnesscenter anmelden geschweige denn ein Bankkonto oder gar ein Handy bekommen. Für diese Nummer stand ich allein zur richtigen Registrierung über zwei Stunden in der Schlange (um die Formulare im Vorfeld zu bekommen sah es ähnlich aus). Das Gute daran: Man lernt die Leute, die vor und hinter einem stehen wirklich gut kennen. Das ist wirklich unglaublich wie viele Leute man in der kurzen Zeit kennenlernt. Insgesamt gibt es 4 000 Auslandsstudenten an der Universität, das macht 10% der gesamten Masse aus. Südamerika, Portugal, Frankreich, Rumänien, England, Indien, Spanien und viele viele mehr, aber so oft wie nichts anderes hört man die Deutschen!!...wirklich an jeder Ecke lauern die. Ich geh den deutschen Holzmicheln und Holzmichelinchen aber bewusst aus dem Weg, Gespräche sind meist sowieso uninteressant, dagegen hatte ich gestern beispielsweise schon ein starkes Gespräch mit einem Spanier über die Eurokrise. Sehr interessant wenn zwei so Kulturen aufeinander prallen. Da wir alle im selben Boot sitzen namens MS-IchhabewirklichabsolutkeinsozialesNetzwerkundbinhierganzallein fällt es sehr einfach ins Gespräch zu kommen.
So, ich werde mich aber nun mal kurz halten, die lange Ausführung bekommt ihr ja noch.
Also, ein paar Fakten:

  • Dänemark ist wirklich teuer (Billigstes Essen in der Unimensa: Sandwich für ca 3 Euro, dazu gleich mehr..)
  • Dänen legen wert auf Design, und geben dafür teilweise anscheinend ihren gesunden Menschenverstand her (was die teilweise tragen, meine Güte, das wurde bei uns schon in den 90ern verboten!)
  • Thema gesunder Menschenverstand: Es gibt hier Luxusteuern auf Süßigkeiten und auf Alkohol....dazu möchte ich keinen Kommentar abgeben...die Preise tun jedenfalls richtig weh.
  • Dänen haben stets eine unsichtbare und undurchdringbare Wand vor sich. Sie sind sehr (wirklich sehr sehr) nett, aber man kann nicht ohne weiteres durchdringen zu ihnen. Der Weg zu einer echten dänischen Freundschaft scheint mir wirklich lang und steinig.
  • Lachssandwichs sind der kulinarische Himmel auf Erden, allerdings stellt sihc mir die Frage wie lang ich Sandwichs an sich noch sehen werden kann. Jeden Tag (köstliche) Sandwichs! Das einzig warme Essen, was ich in den drei Tagen hatte war ein warmes Sandwich...
  • Hier gibt es keinen Sommer. Warme (max. 20 Grad) sonnige Tage ist das Höchstmaß der Gefühle, ansonsten ist Regen, Wind und Temperaturen bei 10 Grad angesagt. Und wir haben gerade ende August. Ergo: Ab jeden Tag immer ein bisschen schlechter bis hin zur tiefen Winterdepression. Hoffe ich werde noch vom Gegenteil überzeugt!
  • Dänisch ist sauschwer. Ich kann den Namen meiner Wohnsiedlung immer noch nicht aussprechen (und ich habe geübt, jeden Tag...hört sich etwa so an: Skoohhjoojcgiekoollejgiett, Worst Case Szenario: Nachts statt mit dem Bus mit dem Taxi heim zu müssen. Bin gespannt wo mich der Taxifahrer hinbringen wird. )
  • Ich bin so was von gespannt auf die auf mich zukommende Zeit!

Das Rathaus bei Nacht
Soweit so gut, ich werde nun erstmal meine letzten Tage in Deutschland genießen, und melde mich dann wieder von oben wenn ich all den Bürokratiewahn hinter mir habe.




"Allen Veränderungen, selbst jenen, die wir ersehnt haben, haftet etwas Melancholisches an, denn wir lassen einen Teil von uns selbst zurück. Wir müssen ein Leben sterben, ehe wir ein anderes beginnen können."
Schlaubi Schlumpf

So beginnt es. Ich sitze in einem ICE, der wie ein Wahnsinniger mit 240 Sachen auf Hamburg zuhält. Bis Juli in Dänemark, wirklich ein noch so fremder Gedanke. Genau wie auch in den letzten Wochen und Monaten, allerdings merke ich, dass dieser Gedanke mit jedem weiteren gewonnenen Meter Richtung Aarhus langsam aber sicher zur Realität wird. Abgefahren.
So, Dänemark, Aarhus, Gedanke, Abgefahren...was ist hier eigentlich los wird sich der ein oder andere fragen.


Ich bin auf dem Weg zu meinem akademischen Auslandsjahr an der Universität Aarhus (Dänemark) in Rahmen des Erasmusprogramms. Was mache ich dort? Ich habe vor mir die restlichen ECTS Punkte für meinen Bachelor Südasienwissenschaften zu holen.
Nun beginnt meine Einführungswoche morgen und so war ich gezwungen am Schäferlaufsonntag (für alle nicht Markgröninger: Schäferlauf ist DAS gesellschaftliche Topereignis Makrgröningens! Wir feiern seit über 500 Jahren die Treue des Schäfers Bartels, und das in Form eines Volksfests über 4 Tage) morgens um 9:27 in den Zug zu steigen. SCHÄFERLAUFSONNTAG!! Man will es kaum glauben, eine berechnende misanthropische Organisation in Dänemark, die etwas damit zu tun hat lässt sich nur mutmaßen...
Auf dem Stoppelfeld
Dementsprechend intensiv musste ich natürlich auch den Schäferlauf genießen...aus 4 Tagen mach 2, ergo: ich musste doppelt so effektiv sein wie sonst. Sportlicher Anspruch, bin mit dem Ergebnis aber ganz zufrieden. Waren zwei superlustige Tage mit vielen Freunden, die man oft nur ein Mal im Jahr sieht. Ob lackierte Fingernägel a la„its ok to be gay“ oder der Spitalbruder Feldstecher in den Nonnengärten, ob der Taube, der nun weiß, dass Martinus jede leichte Dame Markgröningens kennt oder auch nur Andres  Hallööööle, es war einfach Serge stark.
In dieser besagten Nacht verabschiedete ich mich gegen 5 Uhr noch von den Letzten Helden im Portugies, bei Maria, beim IP5, am Brunnen, in der Wettegasse und schaltete von Feiermodus auf Reisemodus (die Koffer packen sich ja leider nicht von selbst..).


Spitalbrüder im Dienst


Ich habe nun den großen Vorteil (wenn man es Vorteil nennen will), dass ich nächstes Wochenende zur Hochzeit meiner Schwester für ein Wochenende wieder nach Stuttgart fahren werde, um am Montag morgen nochmals die gleiche Strecke wieder hoch zu fahren.
Das Gute: Ich kann zwei Mal unbegrenzt Sachen mit hochnehmen und konnte nun beim ersten Mal relativ schlecht vorbereitet meine Reise antreten.
Das Schlechte: Streß ohne Ende. Eine Hochzeit ist ja schon streßig, aber parallel noch die Koffer für fast ein ganzes Jahr akkurat zu packen...mir fehlt doch selbst generell bei einem Wochenendsurlaub immer die Hälfte...

Wie komme ich hoch? Ich fahre mit dem Dänemarkspezialticket der Deutschen Bahn! Interessant für alle die Lust haben auf einen Besuch zu mir zu kommen: Dieses Ticket kostet wenn man rechtzeitig bucht nur 40 Euro!!! 10 Stunden fahrt und zack kommen wir in Aarhus an. Die Reise dauert fast genau so lange wie die Flugverbindung (läuft alles über Kopenhagen mit ausladenden Wartezeiten..)
Hier der Link zum DB Ticket:



Inzwischen bin ich irgendwo in der Pampa vor Flensburg. Die kaum zu beschreibende Landschaft des Nordens zieht an meinem Fenster vorbei: Endloser Himmel, endlose Wiesen, immer wieder diese kleinen Häuschen, die aus der Entfernung so gemütlich aussehen, dass man den imaginären Duft des Tees auf dem Herd fast schon wirklich riechen kann. Die Vorfreude wächst!
Idylle auf der Hinfahrt...sogar mit Windmühle..
Was verspreche ich mir von meinem bevorstehenden Jahr? Neben den studienrelevanten Dingen ist es hauptsächlich das Stillen eines Fernwehs, das in den letzten Jahren aufgekommen ist. Dabei ist es mir bei Gott und Ganesha nicht leicht gefallen meine Lieben daheim so einfach hinter mir zu lassen. Bin gespannt wie das werden wird. Die abendlichen Jamsessions mit meinem Vater haben mir bereits schon oft in Heidelberg sehr gefehlt...





...und Kühen...
Es gibt 3 große Wünsche, die ich mir in Dänemark erfüllen will: 1. Drachen steigen lassen (in unseren südlichen Breiten Deutschlands ist das Drachensteigenlassen ein Hobby, das mit Garantie in tiefste Depressionen führt...alternativ könnte man auch allein Badminton spielen, wäre wohl ähnlich effektiv)
2. Angeln (wie geil muss es sein, den Fisch, der Abends serviert wird selbst zuvor aus dem Wasser zu ziehen?!) und falls irgendwie möglich 3. das Segeln (geil! geil! GEIL!) zu lernen.

Der Vorsatz Dänisch zu lernen ist auch da! Man drücke mir die Daumen, dass es nicht nur ein Vorsatz bleibt.
Nun, so sieht es aus. Wie es weiter geht werdet ihr in meinem Blog hier lesen können. Auch hier bitte Daumen drücken, dass dies nicht auch nur ein Vorsatz bleibt.
Ich werde versuchen euch einen Einblick in dieses Land und meinen Erfahrungen geben. Dabei werde ich die Antworten auf Fragen suchen, die mir unter der Zunge brennen wie zum Beispiel „was isst der gemeine Däne?“,“Was macht den Dänen zum gemeinen Dänen, und wie nett ist der gemeine Däne?“.
Soweit so gut, schön, dass ihr dabei seid: lasset die Spiele beginnen!