„Boris likes Education.“
Boris
Hallo Freunde! Es ist wieder Blog-Zeit!
Nun denn, heute werde ich euch von meiner Uni berichten, meinen
Kursen und den Unterrichtsmethoden hier (wird ein bisschen ausführlicher, es gibt ja schließlich auch ein paar
Dänemark Auslandssemester-Interessierte unter euch, aber andere Mitleser sind mir natürlich ebenso
Willkommen!).
Zur Lage des Campus muss ich erst
einmal eine Einführung über die Geografische Beschaffenheit
Dänemarks geben. Dänemark ist nicht flach. Leider nein.
Aarhus wurde auch einem Berg errichtet.
Und was befindet sich auf der (zumindest gefühlt) höchsten Stelle
des Berges? Richtig, der Campus.
| Plan des Campus |
Mitten in der Stadt, oben auf dem Berg.
Bisher fahre ich witterungsbedingt noch mit dem Bus zur Uni, aber
spätestens im Frühjahr soll (bzw muss) ein Fahrrad her. Ein bisschen graut es
mir ja schon: Jeden morgen sieht man eine nicht aufhören wollende
Meute Fahrradfahrer, rote, vor Anstrengung verzerrte Gesichter, gar
diabolische Fratzen. Einer kämpft sich nach dem Anderen hoch. Lustig
als Businsasse. Als Fahrradfahrer ein nackter Kampf mit der
gnadenlosen Umwelt von Aarhus.
Nun denn, wir sind nun am Campus
angekommen.
| Schön, einfach schön. |
| ...und so idyllisch. |
Vor uns tut sich ein Park auf, viel
grün, perfekt gemähte Wiesen, Seen, natürlich wirkende Wasserläufe,
Enten, es erinnert an den Rosensteinpark in Stuttgart, mit der
Ausnahme, dass ein paar Klinkerhäuser (die Institute und Wohnheime)
rumstehen.
Leider habe ich nur eine Veranstaltung hier. Meistens bin
ich im "Nobel Park" (der neueste Teil der Uni). Sehr moderne große Gebäude schreien
dort einen nur so mit Design an. Es herrscht allgemein eine sehr angenehme Atmosphäre.
| Campus Nobel Park |
Drinnen angekommen. In fast jedem
Zimmer findet sich ein E-Whiteboard, also quasi eine elektronische
Multimedia Tafel. Bisher war auch jeder Raum in dem ich war
mindestens ein PC, ein Beamer und eine Anlage installiert, und lustigerweise hatte auch jeder
Raum noch zusätzlich 2 normale Tafeln. Man merkt, hier wird nicht
gegeizt.
Vor allem merkt man, dass sich alle an der Uni
stets alle Bemühen einen möglichst progressiven Kurs zu fahren.
Beispielsweise bestand das Konzept, alle Südasienstudien
Skandinaviens in einen Poolunterricht umzuwandeln. Studenten aus
Schweden, Norwegen, Dänemark sollten dank der modernen Technologie
über Beamer zeitgleich Vorlesungen erhalten. Eine derart normierte
Bildung. Interessant und wie ich finde doch ein wenig unheimlich. Da
sich aber niemand für diesen "Poolstudiengang" eingeschrieben hat
wurde das Konzept vorerst verworfen. Ich habe aber ein Seminar bei
dem Hauptverantwortlichen des Projekts (Niels Brimnes) .Ein sehr kompetenter Mann und dazu sehr
nett (er erinnert mich ein bisschen an meinen Kinderarzt Dr. Knapp).
Das Thema seiner Veranstaltung sind Kolonialismus und
Postkolonialismus -relationen. Derzeit befinden wir uns in der Einarbeitungsphase. Die
wöchentlichen Themen werden durch verschiedene sehr umfangreiche und detaillierte
Texte aus 3 Perspektiven hinterleuchtet. Im Seminar werden die
Theorien dann jeweils herausgearbeitet, diskutiert und in den Kontext
gestellt. Sehr effektive Methode wie ich finde. Anschließend
wird es eine Themenfindungsphase für ein Paper das jeder Teilnehmer
zu schreiben hat geben (Themenwahl ist völlig steht frei, sollte
aber eben einen Bezug haben). Und dazu schreiben wir parallel im
Semester zusammen online einen Wiki Artikel, der falls es klappt auch
auf Wikipedia kommt. Ist ein völlig neues Konzept der Uni und wir
sind quasi die Versuchskaninchen.
Meine zweite Veranstaltung ist eine
klassische Vorlesung zur Geschichte Indiens bei einem indischen
Gastdozenten aus Kolkata
namens Kaushik Roy. Nichts besonderes, wieder viel zu lesen. Meine
dritte Veranstaltung ist ein sogenanntes Projekt. Ist wie ein
Seminar, mit Hausarbeit zusätzlich mit angewandten Versuchen. Ich belege das an
der Theologischen Fakultät. Thematisch geht es um das Menschliche
Gehirn: Wie verarbeitet unser Gehirn Informationen, wie erstellt es
unsere Realität? Daraus wird dann die Frage gestellt: Wie kann man
sich aus diesen biologischen und psychologischen Hintergründen
Wunder, Mystik und Magie erklären?
Wahnsinnig interessant, mal etwas
völlig anderes! Am faszinierendsten ist es über die
Informationsverarbeitung eines Gehirns zu lesen und dabei
festzustellen : Krass, das passiert ja gerade in diesem Augenblick wirklich alles da oben
drinnen.
Zu den allgemeinen Methoden:
Es gibt hier zwar
Präsentationen von Studenten, diese sind allerdings nicht länger
als 10minuten (maximal) und dienen nur zur Themenhinführung. Die
richtigen Präsentationen werden vom Professor oder aber meistens von
seinen PHD Studenten. Dadurch ist in jeder Sitzung qualitativ was
geboten (ich erinnere mich an sinnlose Unitage in Heidelberg an denen
sich eine schlechte Bachelorpräsentation an die Nächste reihte und
man am abend eher dümmer als klüger die Uni verließ).
Wer hat mitgezählt? Richtig, ich habe
nur 3 Veranstaltungen in der Woche (jeweils 3-4 Stunden mit 15min Kaffeepause) und erfülle
mit meinen angestrebten 35 Punkten mehr als die Semester Norm von 30
Punkten. Der größte Zeitaufwand besteht aus dem Lesen der Texte,
das in jeder Veranstaltung als Voraussetzung angesehen wird. Pro
Woche sind das ca. 500-600 Seiten. Man gewöhnt sich aber ziemlich
schnell daran. Sehr schön ist, dass man sich eben die Zeit selber
einteilen kann (bleibt genug Zeit für die Musik oder anderen
Schabernack).
| Ich bei meiner Hauptbeschäftigung.. |
Und da wir gerade dabei sind: gibt noch mehr modernen Schnickschnack:
-Es gibt ein Online Messenger Programm der Uni, dass als Pool aller Materialien der Veranstaltung dient, in dem aber auch (wie in ICQ, Skype oder ähnlichem) alle Teilnehmer inklusive Dozent als Chatpartner zur Verfügung stehen.
-Meine Veranstaltung sind alle auf Englisch und ich muss sagen die Dänen sprechen ein hervorragendes (vor allem ein sehr verständliches) Englisch (mein Dozent aus Kolkata ist da die Ausnahme...aber wenigstens mit seinem Indian English eine lustige Ausnahme)
-Ich will die helle moderne Bibliothek hervorheben. Es sind nicht nur die Hängematten, die die Bib zu einem ausgesprochen angenehmen Ort machen.
| Die unglaublich geile Bibliothek: Sogar Essen und Trinken darf man mitnehmen. |
Alles so perfekt? Hier muss doch was
Faul sein? Oder wie Judith Holofernes fragen würde: „Die Sache hat
doch einen HaCken?!“. Tja, auch die Welt der skandinavischen
universitären Bildung ist nicht ganz so perfekt wie sie scheint.
Der erste Kritikpunkt ist eigentlich einer der eigenen negativen Attitüden:
Pünktlichkeit ist den Dänen unglaublich wichtig. Wenn man aber aus einem
Umfeld wie das Südasieninstitut Heidelbergs kommt, dann ist man die
indische Viertelstunde (akademisch auch SAI CT genannt) gewohnt. Hier
in Aarhus kriecht der Dozent demütig, Entschuldigungen vor sich hin faselnd in
den Raum, wenn er nur 2 Minuten zu spät ist (was bisher auch nur einmal
vorgekommen ist). Aber da Pünktlichkeit sowieso ein Ziel ist auf
meiner „Im-Leben-noch-zu-lernen-Liste“ steht kommt mir das eher
zu Gute.
Schwer negativer Punkt:
Ich hatte bereits erwähnt, dass die
Dänen keinen Kaffee kochen können. Darum haben sie in der Mensa
einen Kaffeeautomaten. Der Automat nimmt NUR die Visa Karte
und spuckt für umgerechnet 3,20 Euro ein widerliches Braunes Gebräu
aus. Der Unishop hat nicht immer offen, aber wenn ja gibt es dort
Kaffee in vergleichbarer Qualität, aber für nur einen Euro!
Übrigens muss ich mich revidieren: Das Billigste in der Kantine sind
zwar belegte Brötchen, diese kosten allerdings nicht 3 Euro, sondern
mindestens 4 Euro. Ansonsten ist das Essen wie bei einem
Geburtstagsbuffet angerichtet. Es gibt immer nur ein Tagesessen, die
Teller sind klein, Preis beginnt bei ca. 6 Euro. Das sind die Momente
in denen ich mich in die Heidelberger Triplex Mensa sehne.
| Mensa Nobel Park, mitten drinnen: ein Hörsaal mit Einblick/Ausblick (muss das ätzend sein da drinnen wärend der Mittagsessenszeit in einer Vorlesung zu sitzen) |
Nun, ich hoffe ich konnte euch einen
Einblick geben. Mir gefällt das Konzept hier gut. Auf den Punkt gebracht: Weniger "Verschulung", weniger Veranstaltungen dafür bearbeitet man die jeweiligen Themen sehr sehr intensiv. Ganz oder gar nicht. Zu diesem Konzept gehört viel unverzichtbare Vorbereitungs/Lesezeit, es wird ein wirklich größerer Teil an Selbstorganisation abverlangt als in Deutschland. Dafür bleibt aber auch merklich mehr hängen.
Falls ihr spezifischere Fragen habt
schreib mich einfach an.
Unten findet ihr weitere Impressionen zur Uni.
In diesem Sinne, ein schönes Wochenende noch
Euer
Tobi
| ne Katze. |
(Textquelle: Wikipedia
http://de.wikipedia.org/wiki/Universit%C3%A4t_Aarhus)
Die Universität Aarhus (dänisch: Aarhus Universitet; lateinisch: Universitas Arhusiensis) ist mit mehr als 34.000 Studenten die zweitgrößte Universität in Dänemark mit Sitz in der Stadt Aarhus.
| Efeu |
| mehr Efeu |
| Universität Aarhus | |
|---|---|
| Motto | Solidum petit in profundis |
| Gründung | 1928 |
| Trägerschaft | staatlich |
| Ort | Aarhus, Dänemark |
| Rektor | Lauritz B. Holm-Nielsen (seit 2005) |
| Studenten | 34.129 (FTE, 2011)[1] |
| Mitarbeiter | 6.800 |
| davon Professoren | 740 |
| Website | au.dk |
| Sommerauditorium |
| Das Studenthaus |
| Viel Efeu |
| nochmal Efeu |
| Die Aula (kein Efeu, jedenfalls drinnen) |
| Im Nobel Park (zu modern für Efeu) |
| Eine der Mensen (Efeusalat) |

