Samstag, 29. September 2012


„Boris likes Education.“
Boris





Hallo Freunde! Es ist wieder Blog-Zeit! Nun denn, heute werde ich euch von meiner Uni berichten, meinen Kursen und den Unterrichtsmethoden hier (wird ein bisschen ausführlicher, es gibt ja schließlich auch ein paar Dänemark Auslandssemester-Interessierte unter euch, aber andere Mitleser sind mir natürlich ebenso Willkommen!).

Zur Lage des Campus muss ich erst einmal eine Einführung über die Geografische Beschaffenheit Dänemarks geben. Dänemark ist nicht flach. Leider nein.
Aarhus wurde auch einem Berg errichtet. Und was befindet sich auf der (zumindest gefühlt) höchsten Stelle des Berges? Richtig, der Campus.
Plan des Campus

Mitten in der Stadt, oben auf dem Berg. Bisher fahre ich witterungsbedingt noch mit dem Bus zur Uni, aber spätestens im Frühjahr soll (bzw muss) ein Fahrrad her. Ein bisschen graut es mir ja schon: Jeden morgen sieht man eine nicht aufhören wollende Meute Fahrradfahrer, rote, vor Anstrengung verzerrte Gesichter, gar diabolische Fratzen. Einer kämpft sich nach dem Anderen hoch. Lustig als Businsasse. Als Fahrradfahrer ein nackter Kampf mit der gnadenlosen Umwelt von Aarhus.
Nun denn, wir sind nun am Campus angekommen.
Schön, einfach schön.

...und so idyllisch.
Vor uns tut sich ein Park auf, viel grün, perfekt gemähte Wiesen, Seen, natürlich wirkende Wasserläufe, Enten, es erinnert an den Rosensteinpark in Stuttgart, mit der Ausnahme, dass ein paar Klinkerhäuser (die Institute und Wohnheime) rumstehen.



Leider habe ich nur eine Veranstaltung hier. Meistens bin ich im "Nobel Park" (der neueste Teil der Uni). Sehr moderne große Gebäude schreien dort einen nur so mit Design an. Es herrscht allgemein eine sehr angenehme Atmosphäre.
Campus Nobel Park
Drinnen angekommen. In fast jedem Zimmer findet sich ein E-Whiteboard, also quasi eine elektronische Multimedia Tafel. Bisher war auch jeder Raum in dem ich war mindestens ein PC, ein Beamer und eine Anlage installiert, und lustigerweise hatte auch jeder Raum noch zusätzlich 2 normale Tafeln. Man merkt, hier wird nicht gegeizt.
Vor allem merkt man, dass sich alle an der Uni stets alle Bemühen einen möglichst progressiven Kurs zu fahren. Beispielsweise bestand das Konzept, alle Südasienstudien Skandinaviens in einen Poolunterricht umzuwandeln. Studenten aus Schweden, Norwegen, Dänemark sollten dank der modernen Technologie über Beamer zeitgleich Vorlesungen erhalten. Eine derart normierte Bildung. Interessant und wie ich finde doch ein wenig unheimlich. Da sich aber niemand für diesen "Poolstudiengang" eingeschrieben hat wurde das Konzept vorerst verworfen. Ich habe aber ein Seminar bei dem Hauptverantwortlichen des Projekts (Niels Brimnes) .Ein sehr kompetenter Mann und dazu sehr nett (er erinnert mich ein bisschen an meinen Kinderarzt Dr. Knapp). Das Thema seiner Veranstaltung sind Kolonialismus und Postkolonialismus -relationen. Derzeit befinden wir uns in der Einarbeitungsphase. Die wöchentlichen Themen werden durch verschiedene sehr umfangreiche und detaillierte Texte aus 3 Perspektiven hinterleuchtet. Im Seminar werden die Theorien dann jeweils herausgearbeitet, diskutiert und in den Kontext gestellt. Sehr effektive Methode wie ich finde. Anschließend wird es eine Themenfindungsphase für ein Paper das jeder Teilnehmer zu schreiben hat geben (Themenwahl ist völlig steht frei, sollte aber eben einen Bezug haben). Und dazu schreiben wir parallel im Semester zusammen online einen Wiki Artikel, der falls es klappt auch auf Wikipedia kommt. Ist ein völlig neues Konzept der Uni und wir sind quasi die Versuchskaninchen.
Meine zweite Veranstaltung ist eine klassische Vorlesung zur Geschichte Indiens bei einem indischen Gastdozenten aus Kolkata namens Kaushik Roy. Nichts besonderes, wieder viel zu lesen. Meine dritte Veranstaltung ist ein sogenanntes Projekt. Ist wie ein Seminar, mit Hausarbeit zusätzlich mit angewandten Versuchen. Ich belege das an der Theologischen Fakultät. Thematisch geht es um das Menschliche Gehirn: Wie verarbeitet unser Gehirn Informationen, wie erstellt es unsere Realität? Daraus wird dann die Frage gestellt: Wie kann man sich aus diesen biologischen und psychologischen Hintergründen Wunder, Mystik und Magie erklären?
Wahnsinnig interessant, mal etwas völlig anderes! Am faszinierendsten ist es über die Informationsverarbeitung eines Gehirns zu lesen und dabei festzustellen : Krass, das passiert ja gerade in diesem Augenblick wirklich alles da oben drinnen.

Zu den allgemeinen Methoden: 
Es gibt hier zwar Präsentationen von Studenten, diese sind allerdings nicht länger als 10minuten (maximal) und dienen nur zur Themenhinführung. Die richtigen Präsentationen werden vom Professor oder aber meistens von seinen PHD Studenten. Dadurch ist in jeder Sitzung qualitativ was geboten (ich erinnere mich an sinnlose Unitage in Heidelberg an denen sich eine schlechte Bachelorpräsentation an die Nächste reihte und man am abend eher dümmer als klüger die Uni verließ). 

Wer hat mitgezählt? Richtig, ich habe nur 3 Veranstaltungen in der Woche (jeweils 3-4 Stunden mit 15min Kaffeepause) und erfülle mit meinen angestrebten 35 Punkten mehr als die Semester Norm von 30 Punkten. Der größte Zeitaufwand besteht aus dem Lesen der Texte, das in jeder Veranstaltung als Voraussetzung angesehen wird. Pro Woche sind das ca. 500-600 Seiten. Man gewöhnt sich aber ziemlich schnell daran. Sehr schön ist, dass man sich eben die Zeit selber einteilen kann (bleibt genug Zeit für die Musik oder anderen Schabernack).


Ich bei meiner Hauptbeschäftigung..


Und da wir gerade dabei sind: gibt noch mehr modernen Schnickschnack:

-Es gibt ein Online Messenger Programm der Uni, dass als Pool aller Materialien der Veranstaltung dient, in dem aber auch (wie in ICQ, Skype oder ähnlichem) alle Teilnehmer inklusive Dozent als Chatpartner zur Verfügung stehen.
-Meine Veranstaltung sind alle auf Englisch und ich muss sagen die Dänen sprechen ein hervorragendes (vor allem ein sehr verständliches) Englisch (mein Dozent aus Kolkata ist da die Ausnahme...aber wenigstens mit seinem Indian English eine lustige Ausnahme)
-Ich will die helle moderne Bibliothek hervorheben. Es sind nicht nur die Hängematten, die die Bib zu einem ausgesprochen angenehmen Ort machen.


Die unglaublich geile Bibliothek: Sogar Essen und Trinken darf man mitnehmen.




 Alles so perfekt? Hier muss doch was Faul sein? Oder wie Judith Holofernes fragen würde: „Die Sache hat doch einen HaCken?!“. Tja, auch die Welt der skandinavischen universitären Bildung ist nicht ganz so perfekt wie sie scheint.

Der erste Kritikpunkt ist eigentlich einer der eigenen negativen Attitüden:
Pünktlichkeit ist den Dänen unglaublich wichtig. Wenn man aber aus einem Umfeld wie das Südasieninstitut Heidelbergs kommt, dann ist man die indische Viertelstunde (akademisch auch SAI CT genannt) gewohnt. Hier in Aarhus kriecht der Dozent demütig, Entschuldigungen vor sich hin faselnd in den Raum, wenn er nur 2 Minuten zu spät ist (was bisher auch nur einmal vorgekommen ist). Aber da Pünktlichkeit sowieso ein Ziel ist auf meiner „Im-Leben-noch-zu-lernen-Liste“ steht kommt mir das eher zu Gute. 
Schwer negativer Punkt:
Ich hatte bereits erwähnt, dass die Dänen keinen Kaffee kochen können. Darum haben sie in der Mensa einen Kaffeeautomaten. Der Automat nimmt NUR die Visa Karte und spuckt für umgerechnet 3,20 Euro ein widerliches Braunes Gebräu aus. Der Unishop hat nicht immer offen, aber wenn ja gibt es dort Kaffee in vergleichbarer Qualität, aber für nur einen Euro! Übrigens muss ich mich revidieren: Das Billigste in der Kantine sind zwar belegte Brötchen, diese kosten allerdings nicht 3 Euro, sondern mindestens 4 Euro. Ansonsten ist das Essen wie bei einem Geburtstagsbuffet angerichtet. Es gibt immer nur ein Tagesessen, die Teller sind klein, Preis beginnt bei ca. 6 Euro. Das sind die Momente in denen ich mich in die Heidelberger Triplex Mensa sehne.


Mensa Nobel Park, mitten drinnen: ein Hörsaal mit Einblick/Ausblick (muss das ätzend sein da drinnen wärend der Mittagsessenszeit in einer Vorlesung zu sitzen)


Nun, ich hoffe ich konnte euch einen Einblick geben. Mir gefällt das Konzept hier gut. Auf den Punkt gebracht: Weniger "Verschulung", weniger Veranstaltungen dafür bearbeitet man die jeweiligen Themen sehr sehr intensiv. Ganz oder gar nicht. Zu diesem Konzept gehört viel unverzichtbare Vorbereitungs/Lesezeit, es wird ein wirklich größerer Teil an Selbstorganisation abverlangt als in Deutschland. Dafür bleibt aber auch merklich mehr hängen.
Falls ihr spezifischere Fragen habt schreib mich einfach an.
Unten findet ihr weitere Impressionen zur Uni.
In diesem Sinne, ein schönes Wochenende noch


Euer
Tobi





ne Katze.


(Textquelle: Wikipedia
http://de.wikipedia.org/wiki/Universit%C3%A4t_Aarhus)
 Die Universität Aarhus (dänisch: Aarhus Universitet; lateinisch: Universitas Arhusiensis) ist mit mehr als 34.000 Studenten die zweitgrößte Universität in Dänemark mit Sitz in der Stadt Aarhus.























Efeu

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Universität Aarhus
Logo
MottoSolidum petit in profundis
Gründung1928
Trägerschaftstaatlich
OrtAarhus, Dänemark
RektorLauritz B. Holm-Nielsen
(seit 2005)
Studenten34.129 (FTE, 2011)[1]
Mitarbeiter6.800
davon Professoren740
Websiteau.dk





Sommerauditorium

Das Studenthaus

Viel Efeu
nochmal Efeu


Die Aula (kein Efeu, jedenfalls drinnen)



Im Nobel Park (zu modern für Efeu)
Eine der Mensen (Efeusalat)




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