Dienstag, 4. September 2012



"Allen Veränderungen, selbst jenen, die wir ersehnt haben, haftet etwas Melancholisches an, denn wir lassen einen Teil von uns selbst zurück. Wir müssen ein Leben sterben, ehe wir ein anderes beginnen können."
Schlaubi Schlumpf

So beginnt es. Ich sitze in einem ICE, der wie ein Wahnsinniger mit 240 Sachen auf Hamburg zuhält. Bis Juli in Dänemark, wirklich ein noch so fremder Gedanke. Genau wie auch in den letzten Wochen und Monaten, allerdings merke ich, dass dieser Gedanke mit jedem weiteren gewonnenen Meter Richtung Aarhus langsam aber sicher zur Realität wird. Abgefahren.
So, Dänemark, Aarhus, Gedanke, Abgefahren...was ist hier eigentlich los wird sich der ein oder andere fragen.


Ich bin auf dem Weg zu meinem akademischen Auslandsjahr an der Universität Aarhus (Dänemark) in Rahmen des Erasmusprogramms. Was mache ich dort? Ich habe vor mir die restlichen ECTS Punkte für meinen Bachelor Südasienwissenschaften zu holen.
Nun beginnt meine Einführungswoche morgen und so war ich gezwungen am Schäferlaufsonntag (für alle nicht Markgröninger: Schäferlauf ist DAS gesellschaftliche Topereignis Makrgröningens! Wir feiern seit über 500 Jahren die Treue des Schäfers Bartels, und das in Form eines Volksfests über 4 Tage) morgens um 9:27 in den Zug zu steigen. SCHÄFERLAUFSONNTAG!! Man will es kaum glauben, eine berechnende misanthropische Organisation in Dänemark, die etwas damit zu tun hat lässt sich nur mutmaßen...
Auf dem Stoppelfeld
Dementsprechend intensiv musste ich natürlich auch den Schäferlauf genießen...aus 4 Tagen mach 2, ergo: ich musste doppelt so effektiv sein wie sonst. Sportlicher Anspruch, bin mit dem Ergebnis aber ganz zufrieden. Waren zwei superlustige Tage mit vielen Freunden, die man oft nur ein Mal im Jahr sieht. Ob lackierte Fingernägel a la„its ok to be gay“ oder der Spitalbruder Feldstecher in den Nonnengärten, ob der Taube, der nun weiß, dass Martinus jede leichte Dame Markgröningens kennt oder auch nur Andres  Hallööööle, es war einfach Serge stark.
In dieser besagten Nacht verabschiedete ich mich gegen 5 Uhr noch von den Letzten Helden im Portugies, bei Maria, beim IP5, am Brunnen, in der Wettegasse und schaltete von Feiermodus auf Reisemodus (die Koffer packen sich ja leider nicht von selbst..).


Spitalbrüder im Dienst


Ich habe nun den großen Vorteil (wenn man es Vorteil nennen will), dass ich nächstes Wochenende zur Hochzeit meiner Schwester für ein Wochenende wieder nach Stuttgart fahren werde, um am Montag morgen nochmals die gleiche Strecke wieder hoch zu fahren.
Das Gute: Ich kann zwei Mal unbegrenzt Sachen mit hochnehmen und konnte nun beim ersten Mal relativ schlecht vorbereitet meine Reise antreten.
Das Schlechte: Streß ohne Ende. Eine Hochzeit ist ja schon streßig, aber parallel noch die Koffer für fast ein ganzes Jahr akkurat zu packen...mir fehlt doch selbst generell bei einem Wochenendsurlaub immer die Hälfte...

Wie komme ich hoch? Ich fahre mit dem Dänemarkspezialticket der Deutschen Bahn! Interessant für alle die Lust haben auf einen Besuch zu mir zu kommen: Dieses Ticket kostet wenn man rechtzeitig bucht nur 40 Euro!!! 10 Stunden fahrt und zack kommen wir in Aarhus an. Die Reise dauert fast genau so lange wie die Flugverbindung (läuft alles über Kopenhagen mit ausladenden Wartezeiten..)
Hier der Link zum DB Ticket:



Inzwischen bin ich irgendwo in der Pampa vor Flensburg. Die kaum zu beschreibende Landschaft des Nordens zieht an meinem Fenster vorbei: Endloser Himmel, endlose Wiesen, immer wieder diese kleinen Häuschen, die aus der Entfernung so gemütlich aussehen, dass man den imaginären Duft des Tees auf dem Herd fast schon wirklich riechen kann. Die Vorfreude wächst!
Idylle auf der Hinfahrt...sogar mit Windmühle..
Was verspreche ich mir von meinem bevorstehenden Jahr? Neben den studienrelevanten Dingen ist es hauptsächlich das Stillen eines Fernwehs, das in den letzten Jahren aufgekommen ist. Dabei ist es mir bei Gott und Ganesha nicht leicht gefallen meine Lieben daheim so einfach hinter mir zu lassen. Bin gespannt wie das werden wird. Die abendlichen Jamsessions mit meinem Vater haben mir bereits schon oft in Heidelberg sehr gefehlt...





...und Kühen...
Es gibt 3 große Wünsche, die ich mir in Dänemark erfüllen will: 1. Drachen steigen lassen (in unseren südlichen Breiten Deutschlands ist das Drachensteigenlassen ein Hobby, das mit Garantie in tiefste Depressionen führt...alternativ könnte man auch allein Badminton spielen, wäre wohl ähnlich effektiv)
2. Angeln (wie geil muss es sein, den Fisch, der Abends serviert wird selbst zuvor aus dem Wasser zu ziehen?!) und falls irgendwie möglich 3. das Segeln (geil! geil! GEIL!) zu lernen.

Der Vorsatz Dänisch zu lernen ist auch da! Man drücke mir die Daumen, dass es nicht nur ein Vorsatz bleibt.
Nun, so sieht es aus. Wie es weiter geht werdet ihr in meinem Blog hier lesen können. Auch hier bitte Daumen drücken, dass dies nicht auch nur ein Vorsatz bleibt.
Ich werde versuchen euch einen Einblick in dieses Land und meinen Erfahrungen geben. Dabei werde ich die Antworten auf Fragen suchen, die mir unter der Zunge brennen wie zum Beispiel „was isst der gemeine Däne?“,“Was macht den Dänen zum gemeinen Dänen, und wie nett ist der gemeine Däne?“.
Soweit so gut, schön, dass ihr dabei seid: lasset die Spiele beginnen!

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